Wesensgemäß

Wesensgemäße Bienenhaltung orientiert sich an den natürlichen Bedürfnissen des Bienenvolks. Sie geht von der Erkenntnis aus, dass das Bienenvolk einschließlich seiner Waben ein Organismus ist, und respektiert den Bien als ein Ganzes. Das drückt sich insbesondere in der Wahrung der Integrität des Brutnestes, Naturwabenbau und Vermehrung über den Schwarmtrieb aus. Auf die gängige Praxis der künstlichen Königinnenzucht  wird verzichtet. Die Integrität des sensiblen Brutnestes wird gewahrt.

Schwarmtrieb: Schwärmen ist ein Ausdruck von Fülle – es gibt viele  Bienen, viel Brut und einen Überfluss an Vorräten im Volk. Beim  Schwärmen verlässt die alte Königin mit einem Teil der Arbeiterinnen den  Bienenstock. Sowohl im alten wie im neu entstehenden Bienenvolk kommt  es infolge des Schwärmens zu einer Brutunterbrechung. Der Schwarm muss  erst ein neues Zuhause suchen und für ein neues Brutnest Waben bauen. Im  zurückgebliebenen Volk schlüpft zunächst eine neue Königin; erst nach  dem Hochzeitsflug beginnt sie Eier zu legen. Durch die mit dem  Schwarmakt verbundene Brutunterbrechung werden bakterielle Erkrankungen  wie Faulbrut und Sauerbrut reduziert und auch die Belastung mit der  Varroa-Milbe wird vermindert. Schwärmen ist ein Akt der Gesundung!

Naturwabenbau: Die Waben haben viele wichtige Funktionen im Bienenvolk.  In den Zellen der Waben wird die Brut herangezogen, sie garantieren  somit den Fortbestand des Volkes. Sie dienen zudem als Speicher für  Honig- und Pollenvorräte und auf ihnen sind Tanzböden markiert auf denen  die Kommunikation der Bienen durch Schwänzel-, Sichel- und Rundtänze  stattfindet. Der Wabenbau wurde über viele Millionen Jahren  perfektioniert. Die Dynamik des Bauens ist besonders im Frühjahr eines  der schönsten Erlebnisse des Imkers. Für die Volksgesundheit sind  Wachsschwitzen und Wabenbauen wichtige hygienische Maßnahmen. Dabei sind  positive Effekte bei Faul- und Sauerbrut nachgewiesen. Für den Bau von  Waben verbraucht ein Volk mehr Honig. Dieser ökonomische Nachteil tritt  bei der wesensgemäßen Bienenhaltung wegen der Orientierung auf das, was  dem Wesen entspricht und auf langfristige Gesundheit in den Hintergrund.

Königinnenzucht: Bei einer Vermehrung der Bienenvölker über den  natürlichen Schwarmtrieb wird die künstliche Königinnenzucht  überflüssig. Im imkerlichen Zusammenhang bedeutet das Wort Zucht nicht  nur Selektion sondern auch die Art der künstlichen Produktion von  Königinnen mittels einem vom Imker herbeigeführten Notzustand. Völker in  Schwarmstimmung ziehen viel mehr Königinnen heran, als sie selbst  brauchen. Viele Imker und auch Bienenwissenschaftler sind der  Auffassung, dass ohne künstliche Zucht, die Qualität der Königinnen  schlechter werden muss, weil bestimmte Eigenschaften wie  Schwarmträgheit, Honigleistung, Sanftmut etc. verloren gehen.  Fälschlicherweise wird unterstellt, dass mütterlicherseits keine Auswahl  erfolgt, sondern lediglich zufällig die Völker vermehrt werden, die als  erste schwärmen. Das braucht aber nicht der Fall zu sein. Die üblichen  Gesichtspunkte für eine züchterische Selektion auf der väterlichen Seite  werden durch neuere Forschungen in Frage gestellt. Umso größer die  genetische Vielfalt der Drohnen, umso größer ist die Vitalität der  Völker – eine Strategie, die sich in der Evolution bewährt hat. So  zeigen aktuelle Studien, dass sich die Einflüsse der Mehrfachbegattung  unter anderem positiv auf die Volksstärke beim Einwintern auswirken; die  Brutnester sind größer, die Bienen fliegen weiter entfernte  Nektarquellen an, im Bienenstock ist die Resistenz gegen  Infektionskrankheiten höher und die Abwehr von eingeführten  Faulbrutsporen ist besser.

Soweit die Vorgaben der Demeter Imkerei, der wir uns weitgehends anschließen. Wir verzichten auch auf das schneiden von Drohnenbrut, lassen den Bienen ein großes Brutnest mit Naturwabenbau in dem vom Imker nicht korregierend eingegriffen wird. Lediglich die Vorwegnahme eines Schwarms und damit das Teilen eines Volkes, sowie die Abtrennung des Honigraumes mit einem Gitter, ist ein Kompromiss, den wir als Imker für vertretbar halten und das Imkern erheblich erleichtern.